Dies wird wohl einer der letzten guten Tage in Fiesch sein. Also machte ich mich am 19.8.2009, wie viele Andere auch, auf nach Fiesch. Um 5 Uhr schüttelte mich der Wecker aus dem Bett. Schnell ein Müesli reingequetscht und dann die Windwerte nochmals gecheckt. Der Temp sah zwar nicht so gut aus wie die Tage zuvor, aber gut.

In aller Herrgottsfrühe mache ich mich mit Bus und Zug auf den Weg nach Fiesch. Um 10 Uhr in Fiesch und im Eilschritt auf die Bahn. Als ich am Startplatz ankomme, sind die ersten schon am Aufdrehen. Einerseits gut, anderseits bedeutet dies, dass ich spät dran bin. Aber damit muss ich mich abfinden, oder schon am Vorabend nach Fiesch fahren. Gemütlich, aber nicht trödelnd, meinen neuen Freund aus dem Sack gelassen. Und schon schwinge ich mich in die Luft. Es steigt einigermassen gut und nach 25 Minuten setze ich, mit genügend Höhe, zur Querung nach Bellwald an.

In Bellwald ist etwas Geduld gefragt. In solchen Situationen habe ich immer die Stimme von Martin Scheel im Ohr: "Über die Inversion kommt man nur übers Gelände"! Und es stimmt. Nach einer viertel Stunde kann ich die Inversion durchbrechen. Ich entschliesse mich möglichst hoch zu fliegen. Am Grimsel sehe ich am Fusse des Sidelhorns einen Gleitschirm hochschiessen. Etwas unvorsichtig fliege ich zu tief an und muss zur Passstrasse zurückkrebsen. Schlussendlich steigts über der Strasse besser und ich bleibe solange im Schlauch, bis ich eine vernünftige Höhe für die Querung zur Furka habe. Manchmal heisst vernünftig 3500m, manchmal 3700m. Es kommt auch immer darauf an, wieviel einem der Wind schiebt. Mit 10 km/h Westwind ist die Passage einfacher zu bewältigen. Dafür loht es sich, nach der Furka einen kleinen Bogen Richtung Talmitte zu fliegen, damit man nicht im Lee runtergewaschen wird.

An den Flanken bei Realp einen hü bschen Schlauch ausgegraben. Dieser steht ziemlich weit im Tal. Der Wind hat Richtung Nord-West gedreht und auch zugelegt. "Besser diesen Schlauch ausdrehen und mit genügen Höhe an die Felsen", denk ich mir. So düse ich mit genug Höhe über Andermatt und im Sauseschritt Richtung Sedrun. Die Wolkenstrasse steht und ich geb Gas. Eigentlich wollte ich den Tödi besuchen, aber der Nord-West lässt mich nicht. So fliege ich weiter Richtung Flims. Der Plan ist über den Panixerpass ins Sernftal nach Elm, aber der Nord-West will mich nicht. Stattdessen wäscht er mich aus 3300m auf 2200m runter. Aber wie schon die alten Griechen sagten: "Wos runter geht, gehts auch wieder rauf". Und so bläst es mich wieder auf 3500m. Durch diesen Umweg verliere ich jedoch wertvolle Zeit.

Über dem Flimserstein sieht es verdächtig blau aus. Ich entschliesse mich vorsichtig zu fliegen. Immer mit genug Höhe im Gepäck schleiche ich zum Ringelspitz. Einfach nicht ins Taminatal spülen lassen. Ich fliege wirklich vorsichtig und drehe jedes noch so kleine Piepsen aus. So komme ich gut über die vielen Hörner und überfliege den Pizol. Schöne Momente.

Der Westwind meldet sich wieder und drückt mich runter. So komme ich nach einer langen Querung ziemlich tief am Gonzen an. Die Thermik ist schwach und somit auch der Talwind von Rheintal und Seeztal. Eine halbe Stunde früher hätte ich den Anschluss an die Churfirsten vielleicht noch geschafft.

Zwecks Training krame ich eine Portion Motivation aus der Tasche und beginne mich Richtugn Walenstadt durchzuschlagen. Die restlichen Pfüpfe aus dem Holz meinen es gut und lassen mich brav auf 200m über Grund schmoren. Dann halt bis nach Mels. In Mels habe ich noch keine Höhe gewonnen, jedoch auch nicht viel verloren. Also weiter. Böses Kabel. Und weiter. Böses Seil. Zum Glück weiss ich, dass ich aufpassen muss. Noch ein böses Seil. In Flums lässt mich die Thermik ein letztes Mal Hoffnung schöpfen. Lässt es aber beim Lassen. So lande ich nach "Mein halben Stunden-Kampf" überglücklich in Walenstadt.

Flug im XContest